Taubblinden-assistenz

Taubblindenassistenten sind für taubblinde Menschen der Zugang zur Welt. Sie ermöglichen ihnen, die weitere Umgebung zu  erfassen, Information zu erhalten, Kommunikation und Mobilität.

 

Selbstbestimmt leben

Der Einkauf, ein Treffen mit Freunden, Freizeitaktivitäten, wie zum Beispiel das Training im Fitnessstudio, der Besuch von Ausstellungen, Vorträgen oder Selbsthilfegruppen sind ohne Assistenz nicht machbar - ganz zu schweigen von Arztbesuchen und Behördengängen: Was für den sehenden und hörenden Menschen selbstverständlich ist, ist für den taubblinden Menschen immer mit unüberwindbaren Hürden verbunden. Taubblindenassistenten Überbrücken diese Barrieren.

 

Techniken, um die Barrieren zu überwinden

Dafür beherrschen Taubblindenassistenten besondere Techniken: Lormen, taktile Gebärden, Gebärdensprache und Brailleschrift ermöglichen die Kommunikation. Führtechniken kompensieren das Sehen und schaffen Mobilität. 

 

Großer Bedarf

Bisher gibt es zu wenig Taubblindenassistenten. Meist werden die taubblinden Menschen von Familienangehörigen und einer kleinen Zahl von engagierten Begleitern unterstützt. Der Bedarf ist jedoch um vielfaches größer.

Taubblindheit

Situation

Kampf um Anerkennung

Das europäische Parlament hat bereits 2004 Taubblindheit als eigenständige Behinderung anerkannt. In Deutschland wurde erst im Januar 2017 das Merkzeichen "TBL" im Schwerbehindertenausweis eingeführt. Nachteilsausgleiche, wie eine angemessene Versorgung mit Hilfsmitteln, Rehabilitationsmaßnahmen und Assistenz, sind bisher nicht damit verknüpft. Dafür kämpfen die betroffenen hörsehbehinderten und taubblinden Menschen immer noch weiter.

Finanzierung

Der Kampf um Anerkennung hat erhebliche Auswirkungen auf die Finanzierung der Taubblindenassistenz. Oft müssen die Assistenten von den betroffenen Menschen selbst finanziert werden. Taubblindenassistenz kann über verschiedene Kostenträger abgerechnet werden (z.B. Krankenkassen oder Eingliederungshilfe). Diese Situation ist für taubblinde Menschen absolut unbefriedigend. Es fehlen klare Vereinbarungen, wie Assistenz-Stunden entlohnt werden und wann ein taubblinder Mensch Anspruch auf Assistenz hat. Dadurch wird taubblinden Menschen die Chance genommen, ihre Isolation zu überwinden und am gesellschaftlichen Leben gleichberechtigt teilzuhaben. Sie sind und bleiben abhängig von der Gunst der Angehörigen oder  Taubblindenassistenten, die es sich leisten können, für ein sehr geringes Honorar zu arbeiten.

Qualifizierte Taubblinden-
Assistenten

Die Zahl der Qualifizierten Taubblinden-Assistenten (TBA) wächst, dennoch gibt es bei Weitem nicht genug TBA in Deutschland.

Auf dieser Liste sind Taubblindenassistenten (TBA) aufgeführt, die nach dem gemeinsamen Fachausschuss Taubblind/Hörsehbehindert (GFTB) qualifiziert sind. Diese Assistenten sind berechtigt, über die Eingliederungshilfe mit den Kostenträgern abzurechnen.

(Stand 29.07.2020)

Drei Formen von Taubblindheit

Geburtstaubblinde Menschen

Geburtstaubblinde Menschen sind Personen, die ihre Welt fast ausschließlich über die drei verbliebenen Sinne (Fühlen, Riechen, Schmecken) entdeckt haben.

Ursache können Frühgeburten oder komplexe Behinderungen sein. Zum Beispiel sind  bei extremen Frühgeburten die Augen und Ohren noch nicht ausgereift. Diese Menschen leben mit Einschränkungen ihrer körperlichen und geistigen Funktionen, deren Ausmaß im Einzelnen oft nicht genau festgestellt werden kann. Die unterschiedlichen Behinderungen beeinflussen sich stark gegenseitig. Diese Menschen benötigen in ihrem gesamten Leben intensive Förderung, Begleitung und auch Pflege.

Gebärden-sprachlich orientierte Taubblinde Menschen

Gebärdensprachlich orientierte taubblinde Menschen sind gehörlos oder hochgradig schwerhörig geboren. Sie haben die Gebärdensprache erlernt, bevor sie erblindeten oder der Sehsinn stark eingeschränkt wurde. Sie sind meist in der  Gehörlosengemeinschaft aufgewachsen und empfinden die Gebärdensprache als ihre Muttersprache.

Zu dieser Gruppe zählen auch Menschen mit dem so genannten Usher-Syndrom (Typ I). Sie sind gehörlos geboren und im Laufe des Lebens kommt eine voranschreitende Sehschädigung hinzu. Im Alltag verstärken sich Ausfälle, die auf Tollpatschigkeit und Unkonzentriertheit geschoben werden. Sie entwickeln zum Beispiel eine Nachtblindheit, stoßen an Gegenstände oder bekommen nicht mehr alles mit. Erst mit der zunehmenden Einschränkung des Gesichtsfeldes wird die Hörsehbehinderung bewusst. So ist Autofahren dann nicht mehr möglich. Soziale Kontakte leiden, weil der Betroffene Gesprächen nicht mehr folgen kann.

Lautsprachlich orientierte taubblinde Menschen 

Lautsprachlich orientierte taubblinde Menschen sind blind oder sehbehindert geborene Menschen, die erst nach dem Spracherwerb ertaubt sind. Hierzu gehören auch die Menschen mit dem Usher-Syndrom (Typ II). Zu einer konstant bleibenden hochgradigen Schwerhörigkeit kommt eine Sehbehinderung hinzu.

Lautsprachlich orientierte Taubblinde können sich in der Regel durch Lautsprache gut verständlich machen. Allerdings hören sie die Aussagen der Kommunikationspartner nicht mehr. Andere Kommunikationsmöglichkeiten müssen erlernt werden. Die Orientierung im Raum beruht bei Blinden wesentlich auf dem Hörsinn. Bei zunehmender Hörschädigung ist die Mobilität erheblich eingeschränkt.

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